Die ersten Fische: Nannostomus eques

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Was vorher geschah: Link

Das Aquarium läuft seit Mitte August. Die Pflanzen wachsen mittlerweile so, wie ich es gerne hätte. Die Birken-Knüppel hatten angefangen zu schimmeln, aber der Schimmel ist mittlerweile wieder verschwunden. Abgesehen davon, dass die Garnelen in der dichten Bepflanzung kaum zu finden sind, fühlen sie sich offenbar recht wohl. Sie sind tiefrot und mittlerweile recht aktiv.

 

Was für Fische?

Ich fand, irgendwann sollten auch Fische rein. Mit einigen Besuchen in den umliegenden Zoogeschäften hatte sich so langsam herauskristallisiert, was ich gerne hätte. Der 50er Würfel ist optimal für eher langsame Schwimmer, die den Raum gut nutzen. Fische, hoch und runter steigen und zwischen dem Dschungel im Hintergrund und dem Freiwasser hin und her wandern, sind hier gut untergebracht. Dazu kommt, dass ich Salmler mag und das Bochumer Wasser mit etwa 8°dGh auch noch halbwegs weich ist. Da ich aus der großen Salmlervielfalt die eher ungewöhnlichen „Typen“ bevorzuge, bin ich schnell bei den Ziersalmlern gelandet. Die schlanke Form, das spitze Maul und die Eigenschaft, mit oszilierenden Flossen wie kleine Hubschrauber zwischen den Pflanzen zu stehen, faszinieren mich immer wieder. Doch warum bei den „normalen ungewöhnlichen“ bleiben, wenn man das Extrem haben kann? Folglich stand Nannostomus eques seit vielen Jahren auf meiner Wunschliste.
Um die extreme Form und das „zierliche“ Verhalten zu betonen, sollte noch eine zweite Salmlerart her, die damit kontrastiert. Doch was kontrastiert mit „klein, schlank und zierlich“? „Groß, massig und robust?“ im Prinzip ja… aber einen Pacu bekomme ich nur in das Aquarium, wenn ich kräftig drücke. Jedenfalls habe ich mich dann doch für Hemigrammus rodwayi, den Messingsalmler entschieden. Er wird zwar weder groß noch robust oder massig, sondern bleibt mit 4 cm eher klein und hat die typische Salmlerform. Diese Tiere werden in der Natur oft von Wurmlarven befallen, die in der Unterhaut sitzen bleiben. Als Abwehrreaktion umschließt der Fisch diese Larven mit Guanin, das silbern glänzt. Ein solcher Fisch wirkt wie mit Silberstaub bestäubt. Je 15 Tiere sollten es sein.

 

Im Zoogeschäft

Heute Abend bin ich dann zum Zoogeschäft meiner Wahl gefahren. Neben den Fischen brauchte ich noch etwas „Kleinkram“: eine Klemme für den Filter, einen Ansaugkorb, Trocken- und Frostfutter. Nachdem ich das alles gefunden hatte, ging es endlich zu den Fischen. Wie immer in großen Zooläden gab es viel zu gucken. Leider sind echte Raritäten auch hier mittlerweile selten geworden. Standardfische prägen dann doch den Verkauf, heute waren fingerlange Boulongerella die Highlights.

Leider waren die Hemigrammus rodwayi bis auf ein einzelnes Exemplar ausverkauft. Schade, aber man war doch recht zuversichtlich, dass in den nächsten Wochen wieder welche rein kommen. Schade, eigentlich wollte ich sie zuerst im Aquarium haben. So hatten die Nannostomus die Ehre, die ersten Fische in meinem Aquarium zu werden.
Die 15 Tiere waren schnell gefangen, wanderten in die Tüte und das nächste Problem begann. Kosteten sie nun € 4,90 oder € 3,90? Beide Preise standen am Becken. Meine Argumentation mit „Die sind aber doch ziemlich klein, ich kenne die sonst größer“ war erfolgreich, aber die Rechnung war mit 95 € dann doch wieder höher, als ich erwartet hatte.

 

Das Zoogeschäft – jenseits eines schwarzen Loches?

Manchmal habe ich das Gefühl, Zoogeschäfte sind Räume außerhalb unseres Universums, bestimmte Naturgesetze sind dort außer Kraft gesetzt: Man hat immer den Eindruck, dass weniger Fische in der Tüte schwimmen, als bestellt, dafür bezahlt man am Ende immer mehr, als erwartet. Würde Douglas Adams noch leben, wäre das vermutlich ein Thema, mit dem er sich beschäftigte.

 

Angekommen

Doch bevor die Ziersalmler mein Aquarium beziehen konnten, haben die Verkehrsplaner des Ruhrgebietes den Feierabendstau der A 40 oder A 42 gestellt. Ich hatte also die Wahl zwischen Pest und Cholera. Eine Stunde hats dann doch gebraucht, bis ich zuhause war. Da wanderte dann die Tüte zur Angleichung der Temperatur als allererstes ins Aquarium. Dann wurde das Frostfutter versorgt und danach der Rest. Der erste Blick in die Tüte zeigte 15 blasse Ziersalmler, die alle im typischen 45°-Winkel in der Tüte standen und mit den Flossen „hubschrauberten“. In dieser Zeit der Temperaturangleichung habe ich dann den neuen Ansaugkorb an den Filter angeschlossen – Siehe da: der Filterdurchsatz stieg doch deutlich an.
Nach einer halben Stunde habe ich den Leitwert in der Tüte und im Aquarium gemessen: in der Tüte leicht höher, das wars. Klasse. Da brauche ich nicht viel angleichen. Schluckweise (okay, das waren Oktoberfest-Schlucke) kam Aquarienwasser in die Tüte, bis sie halb voll war. Dann habe ich die Tüte vorsichtig umgedreht, so dass die Fische eine Weile im eigenen Wasser standen. Eingewöhnung auf die herzliche-robuste Weise.

Die Fische im Aquarium

Offenbar haben mir die Fische diese Eingewöhnung nicht übel genommen. Nach einer halben Stunde standen sie in Kleingruppen vor den Pflanzen und „hubschrauberten“ auf der Stelle oder bewegten sich langsam vor. Ab und zu pickten sie am reichlichen Aufwuchs auf den Blättern oder an den Birkenknüppeln. Eine Stunde später haben sich die Kleingruppen zu zwei größeren Formationen zusammengefunden, die in der Nähe der Oberfläche standen, auch im typischen Winkel. Die Färbung war schon fast normal.

Spannend wird sein, was ich morgen früh zu sehen bekomme. Die Dämmerungsbeleuchtung geht um halb sieben an, dann haben die Ziersalmler sicher noch ihren Schlafanzug an. Ja, tatsächlich, sie haben einen Schlafanzug, doch davon demnächst mehr.

 

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