Luciocephalus aura, der After-Eight Fisch
5.2.2003 heute Abend habe ich einen Luciocephalus pulcher und 5 Luciocephalus aura bekommen. Die fünf sehen dem L. pulcher sehr ähnlich, aber ihr schokoladenbrauner Längsstreifen ist mit mintfarbenen Bändern umrahmt und trägt dicke mintfarbene Punkte. Schokolade mit Minze, das ließ mich den Namen "After Eight" erfinden.
Heute Nacht bleiben die Tiere noch in ihren Tüten, mit Sauerstoff verpackt und auf der Fußbodenheizung, mit der dicken Winterjacke abgedeckt, werden sie die Nacht überstehen.
6.2.2003 Heute Morgen habe ich in aller Frühe mein Schwarzwasser-Igarape-Becken (100 cm x 40 cm x 50 cm) ausgeräumt und die Luciocephalus nach sehr langer Angleichprozedur dort eingesetzt. Außer einem Haufen grobem Mulm, einigen Vallisnerien und zwei riesigen Lotus ist da fast keine Deko mehr drin, das werde ich in den nächsten Tagen ändern.
Die Lucios scheinen hungrig gewesen zu sein, einer schnappt sich eins der beiden Guppymännchen kaum eine Minute nach dem Einsetzen. Das andere verschwindet irgendwann gegen Mittag. Ansonsten steht man einfach nur mit dem Schwanz nach unten über dem Mulm und tut so, als habe man mit der ganzen Aktion nichts zu tun gehabt. Außer den Lucios sind noch 3 Rote Neon und ein letztes Dicrossus filamentosus-Männchen im Becken, letzteren konnte ich nicht fangen.
Die Lucios machen nach dem Mittag gezielt Jagd auf die Neons, sie treiben sie (möglicherweise in der Gruppe organisiert?) in die Enge und stoßen zu. Dabei bewegen sie außer den schwirrenden Brustflossen keinen Muskel am Körper, bis zum Zustoß. Der erfolgt schneller als ich gucken kann und sehr gezielt.
Bemerkenswert ist allerdings, daß sie einen Roten Neon bereits mehrfach gefangen haben, aber immer wieder ausgespuckt. Ist er zu groß zum Verschlucken oder gibt er irgendwelche Repellentien ans Wasser ab?
15.2.2003 Nachdem die Lucios die drei Neons, den einen Dicrossus und insgesamt acht Guppies verfrühstückt hatten, hatte ich in den letzten Tagen das Problem, nicht genug Futterfische zu haben. Den kleinsten der Bande konnte ich bisher nicht beim Fressen beobachten, außerdem verhält er sich seltsam.
Da ich auch heute nicht genug Futterfische zur Verfügung habe und langsam unruhig werde, habe ich heute ein halbes Tütchen lebende weiße Mückenlarven und lebende große Artemia verfüttert, ein voller Erfolg! Die Tiere sind dem kleinen Futter zwar nicht mit soviel Elan wie den Futterfischen hinterhergejagt, aber sie haben alle gut gefressen.
Nach der Futterorgie, die mich etwa eine halbe Stunde mehr gefesselt hat, als jeder Sport, haben alle gerundete Bäuche, auch der kleine verhält sich wieder normal. Damit habe ich also ein Rückfallsystem, falls ich mal wieder fischtechnisch so auf dem Trockenen sitze.
18.2.2003 Zwischenzeitlich kommen die Tiere und ich mit den weißen Mückenlarven als Hauptfutter sehr gut aus, trotzdem werde ich in den nächsten Tagen ein Guppy-Aquarium einrichten, um die Luciocephalus regelmäßig mit frischen Fischen zu versorgen.
Zwischenzeitlich konnte ich bei der Fütterung einige Unterschiede zwischen dem einen Luciocephalus pulcher und der unbeschriebenen Art feststellen: Der L. pulcher nimmt wesentlich lieber Futter von der Wasseroberfläche auf und scheint auch häufiger sein Labyrinth zu füllen. Im Gegensatz zu den After-Eight-Fischen habe ich ihn noch nicht dabei beobachtet, wie er Futter aus Bodennähe aufnimmt.
Zwischenzeitlich konnte ich zwei Kurzvideos drehen und stelle sie zum Download zur Verfügung:
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Luciocephalus pulcher jagt eine Mückenlarve an der Wasseroberfläche
(1,9 MB, 5 sec. 320 x 240 pixel, MPEG) |
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Ein Luciocephalus pulcher und ein Luciocephalus aura jagen Mückenlarven im Freiwasser
(1,9 MB, 5 sec. 320 x 240 pixel, MPEG) |
21.2.2003 Heute habe ich die letzten Guppies, quasi die Restbestände aus meinem 50 cm-Würfel verfüttert. Ich habe das getan, weil vor allem das große Tier (vermutlich ein Weibchen) sich kaum noch mit Mückenlarven hinter dem Ofen respektive aus der Bepflanzung hervorlocken lässt.
Insgesamt habe ich 3 Jungtiere von etwa 7 mm Länge, 2 Männchen von 2 cm und ein Weibchen von bestimmt 4 cm Länge verfüttert, die kleineren Lucios haben sich die kleinen Guppies geschnappt und das große Tier das Guppyweibchen. Ein Zustoß über fast 40 cm und der Guppy war im Maul! Man konnte ihn sogar noch durch den Maulboden hindurch sehen. Ich hoffe, daß ich sie (?) damit für ein paar Tage soweit satt bekommen habe, daß sie mit Mückenlarven zufrieden ist.
Nachtrag Im Mai bin ich umgezogen und mit mir die Lucios. In Görlitz sind sie in ein stellenweise sehr dicht bepflanztes 300l-Aquarium mit fast reinem Osmosewasser bei 60 bis 80 µS/cm und einem pH-Wert von 5 bis 6 untergebracht. Das hat ihnen sichtlich gut getan, die Färbung hat sich deutlich verbessert und sie wuchsen schneller.
Das hat sicherlich auch die Fütterung mit jungen Cypriniden aus der Neisse sehr unterstützt, ebenso wie das deutlich größere Aquarium. Im Herbst konnte ich die Tiere mehrfach balzen sehen (ich hatte vermutlich 4 Männchen und ein Weibchen), ablaichen oder ein volles Maul (die Tiere sind Maulbrüter) konnte ich jedoch nicht beobachten.
Im Frühjahr 2004 begann leider eine seltsame Krankheit meine Tiere zu befallen. Äusserlich ohne Anzeichen begannen sie, sich mit der Schwanzflosse abzustützen, einen Tag später hatten sie sichtlich Probleme mit der Koordination der sonst permanent schwirrenden Brustflossen. Am dritten oder vierten Tag lagen sie auf der Seite, den Kopf nach oben. Sie reagierten wie immer auf Aussenreize, jagten und frassen auch noch wie üblich. Am fünften oder sechsten Tag der Krankheit starben sie, alle 6 Tiere über einen Zeitraum von etwa 8 Wochen.
Damit ist das Projekt Luciocephalus zunächst einmal in stiller Trauer über den unerklärlichen Tod sehr interessanter Fische beendet. Wenn ich wieder die Gelegenheit bekomme, diese Tiere in gutem Zustand zu erhalten, werde ich wieder zuschlagen, denn nun ist Platz für die Zucht von Futterfischen.
Nachtrag 2 In der Juli-Ausgabe 2005 vom "Raffles Bulletin of Zoology" wurde die von mir als Luciocephalus spec. "After eight" bezeichnete Art als Luciocephalus aura beschrieben. Da mir das Bulletin nicht vorliegt, kann ich nichts über die Autoren und die Qualität der Beschreibung sagen, das Farbfoto in dieser Ausgabe zeigt jedoch eindeutig "meine" Tiere.