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Die Lochkrankheit

Zusammenstellung der bisher gesammelten Daten

Nachdem ich etwa ein Jahr mehr oder weniger intensiv nach Lochkrankheit sowie Informationen darüber gesucht habe, konnte ich folgendes Muster entwickeln:

    - "Die Lochkrankheit" gibt es nicht, es gibt mindestens zwei unterschiedliche Ausprägungen: 1. eine Auflösung der Schädelknochen, der später ein Einfall des Schädels und die bekannte Loch-im-Kopf-Symptomatik. Diese Symptomatik ist nicht zwingend an Kopfporen gebunden. 2. Eine Vergrößerung der Kopf- und Seitenlinienporen, die meist von vorne nach hinten verläuft. Hier sind in jedem Fall die Kopfporen betroffen.
    Ob diese beiden Ausprägungen etwas miteinander zu tun haben, kann ich noch nicht sagen.

    - Symptome der "Lochkrankheit" wurden bisher nur von Cichliden berichtet. Allerdings sind Cichliden in der Stichprobe (Aquarienfische) deutlich überrepräsentiert.

    - Meist sind Weichwasserfische betroffen, hauptsächlich wird von betroffenen Tieren aus dem inneren Amazonasgebiet (Symphysodon, Pterophyllum, Acarichthys, Geophagus) berichtet, aber auch Crenicichla und mittelamerikanische Cichlasoma- und Herosverwandte werden häufig "lochkrank".
    Ein Muster in Bezug auf die Ernährung ist nicht feststellbar, alle "gängigen" trophischen Gruppen scheinen befallen zu werden. Auch hier ist die Stichprobe zu klein, um sicher zu gehen.

    - Die meisten befallenen Fische werden in unbekanntem oder mittelhartem bis hartem Wasser gehalten und bekommen diese Symptomatik erst in mittlerem bis fortgeschrittenem Alter.
    Oft sind die befallenen Tiere in sehr gutem körperlichem Zustand, teilweise treten die Symptome sogar kurz nach (erfolgreichem) Ablaichen oder bei brutpflegenden Tieren auf.

    - Alle von mir untersuchten Tiere (n = 3) waren Männchen.

    - Nach Umsetzen in weiches Wasser und Vitaminisieren des Futters mit einem guten Vitaminpräparat wurden die Symptome der kopfbefallenden Form geringer und verschwanden nach einigen Wochen bis Monaten vollständig, hinterließen jedoch Narben.

    - Ein in Kalilauge zum "Clearing und Staining" angesetzter Acarichthys heckeli, der an Lochkrankheit (Kopf) gestorben ist, wies eine fast 100%ige Reduktion einiger Schädelknochen auf. Leider war das Tier zu groß, um es am Stück zu präparieren, teilweise Verwesung hat eine stückweise Präparation unmöglich gemacht.


  Hieraus lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

    1. Es gibt möglicherweise zwei unterschiedliche Ausprägungen derselben Krankheit oder zwei unterschiedliche Krankheiten, die unter dem Begriff "Lochkrankheit" zusammengefasst werden. Amerikanische Aquarianer unterscheiden die "Whole in the head"-Disease und die "Lateral line erosion".

    2. Einige Arten scheinen -auf welche Weise auch immer- prädisponiert zu sein.

    3. Die Tiere werden oft unter suboptimalen Bedingungen gehalten. Dies bezieht sich mindestens auf das Wasser, die Qualität der Nahrung wurde bisher nicht erforscht.

    4. Sichtbare und sicherlich auch unsichtbare Symptome scheinen die Tiere sehr lange nicht besonders zu belasten. Manchmal pflanzen sich Tiere, die kurze Zeit später an "Lochkrankheit" sterben, noch erfolgreich fort.
    Möglich ist, daß Fortpflanzungsaktivitäten den Krankheitsverlauf beschleunigen und Symptome auftreten lassen.
    Die Tiere zeigen erst sehr spät Anzeichen von Unwohlsein, zumindest bei der Form, die hauptsächlich den Kopf befällt. Sobald sich die Tiere unwohl fühlen, scheinen sie kaum zu retten zu sein.

    5. Bei Weichwasserfischen tritt diese Krankheit oft bei Haltung in zu hartem Wasser auf. So seltsam es klingt, scheint ein Zuviel an Calcium und Magnesium den Knochenaufbau zu behindern und ggf. sogar deren Abbau zu initiieren.
    Eine Erklärungsmöglichkeit ist, daß ein Überangebot der Erdalkaliionen den Erdalkaliion-Stoffwechsel stört. Möglicherweise fällt ein Ca (Mg?)-Vitamin D-Komplex aus, so daß nicht mehr genug Vitamin D für den Knochenaufbau vorhanden ist.

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